Cyprus, Nicosia

„November wie September“: Wissenschaftler warnen, dass Zypern rasant den Herbst verliert

01.12.2025 / 16:00
Nachrichtenkategorie

Klimatologen warnen: Der ungewöhnlich warme November auf Zypern ist kein Zufall, sondern Teil eines langfristigen Erwärmungstrends und einer Verkürzung der Herbstsaison. Laut der Wetterstation Athalassa waren seit Anfang 2025 bis November 67 % der Tage (219 von 328) wärmer als die Klimanorm. Die Temperatur auf der Insel steigt seit 1981 durchschnittlich um 0,4–0,6°C pro Jahrzehnt, während die Herbstniederschläge alle zehn Jahre um 5–10 mm zurückgehen.

Der Klimatologe Panos Hadjinicolaou weist darauf hin, dass der diesjährige November „extreme Abweichungen“ zeigte — bis zu +8°C über dem Normalwert — und hinsichtlich des Erwärmungsniveaus bereits mit dem März vergleichbar ist: Beide Monate gehören im Zeitraum 2001–2024 zu den am schnellsten wärmer werdenden im Vergleich zu 1983–2000. Laut ihm wird Zypern immer häufiger einen November „wie im September“ erleben, mit starken Temperaturschwankungen und häufigeren Extremwerten.

Der ehemalige Direktor des Meteorologiedepartements, Cleanthis Nicolaides, prognostiziert, dass Zypern bis zur Mitte des Jahrhunderts ein Klima ähnlich dem von Kairo haben wird: häufige 40-Grad-Spitzen nicht nur im Juli und August, sondern auch außerhalb des klassischen Sommers. Gleichzeitig wird es weniger regnen: Schätzungen zufolge könnten die Niederschläge im Vergleich zum Beginn des 20. Jahrhunderts um bis zu 20 % sinken. Bereits im vergangenen Jahr fielen auf Zypern 1,3 Milliarden Tonnen weniger Regenwasser als im Durchschnitt der vorangegangenen 30 Jahre.

Wissenschaftler warnen: Die Erwärmung wird die öffentliche Gesundheit, die Landwirtschaft, die Biodiversität und die Wirtschaft beeinträchtigen. Besonderes Augenmerk gilt der zunehmenden Belastung des Energiesystems: Der Bedarf an Kühlung (Nutzung von Klimaanlagen) könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 153 % steigen, während der Heizbedarf etwa um die Hälfte sinken wird. Angesichts zunehmender Dürre fordern Experten Zypern auf, die Anpassungsmaßnahmen zu beschleunigen — von Frühwarnsystemen bis hin zu „intelligenten“ Wasserverwaltungstechnologien und der Modernisierung des städtischen Umfelds.

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