23 Jahre Übergänge: Zypern nähert sich rekordverdächtigem Stillstand ohne neue Checkpoints
Zypern begeht den 23. Jahrestag der Eröffnung des ersten Grenzübergangs, doch die Insel steht vor der längsten Periode ohne Erweiterung des Checkpoint-Netzes seit 2003. Seit 2018 wurde kein einziger neuer Übergang eröffnet, und sollte sich die Situation im Jahr 2026 nicht ändern, wird dieser Stillstand rekordverdächtig sein.
Trotzdem bleibt der Verkehr an den bestehenden Punkten aktiv. Nach Angaben der Polizei wurden im Jahr 2025 mehr als 7,6 Millionen Einreisen und fast ebenso viele Ausreisen verzeichnet. Die Spitzenbelastung liegt traditionell in den Sommermonaten, wenn die Zahl der Überquerungen 730.000 übersteigt.
Dabei sind deutliche Verschiebungen in den Strömen zu beobachten. Die Zahl der Zyperngriechen, die in den Norden reisen, sinkt: von über 3 Millionen im Jahr 2023 auf 2,4 Millionen im Jahr 2025. In den ersten Monaten des Jahres 2026 setzte sich dieser Rückgang fort. Experten führen dies auf die steigenden Lebenshaltungskosten zurück, die die wirtschaftliche Attraktivität des Nordens verringert haben.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Zyperntürken, die die Grenze nach Süden überqueren: von 425.000 im Jahr 2024 auf über 511.000 im Jahr 2025. Es wird erwartet, dass diese Zahl im laufenden Jahr noch weiter steigen wird.
Die Frage der Eröffnung neuer Punkte bleibt Gegenstand heftiger politischer Meinungsverschiedenheiten. Der griechisch-zyprische Führer Nikos Christodoulides besteht darauf, dass neue Checkpoints beiden Volksgruppen zugutekommen müssen, und schlägt Routen vor, die auch für den Süden günstig sind. Im Gegenzug betrachtet der türkisch-zyprische Führer Tufan Erhürman einen solchen Ansatz als einschränkend und warnt vor dem Risiko einer Prozessverzögerung.
Obwohl sich die Parteien 2025 in Genf auf die mögliche Eröffnung von vier neuen Übergängen geeinigt haben, schreitet die Umsetzung aufgrund von Unterschieden bei den Prioritäten und technischen Details nur langsam voran.
So ist die Entwicklung der Infrastruktur trotz des anhaltend hohen Niveaus an Grenzübertritten faktisch zum Erliegen gekommen, was die Spannungen um die Frage der Freizügigkeit auf der Insel verschärft.
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